Handlungsfeld N1.3: Wiedervernässung von Mooren

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Verantwortlich für den Inhalt: Christina Vaccaro

Mitarbeit: Markus Grabher, Christof Drexel

Status quo

Ausgangslage und Zielsetzung

Die Renaturierung von Mooren und Feuchtgebieten lohnt sich besonders: Torfmoore sind der größte natürliche terrestrische Kohlenstoffspeicher - sie speichern mehr Kohlenstoff als alle anderen Vegetationstypen der Welt zusammen [1] [2].

In Vorarlberg liegt ein Viertel aller Moore Österreichs [3]. Moore sind ökologisch wertvolle Lebensräume mit klimarelevanter Kohlenstoff- und Wasserspeicherfunktion und stark gefährdet. Die Kohlenstoff- und Wasserspeicherfunktion gilt auch für Torfböden (ehemalige Moore). Qualitative und quantitative Verluste schreiten auch in Vorarlberg weiter voran, Kohlenstoffspeicher werden zu Treibhausgasquellen [4], [5]. Ca. 5% der weltweiten Treibhausgas-Emissionen stammen aus entwässerten Mooren bzw. Torfböden [6], [7],die Schätzung für Österreich liegt bei 1-2% [8].

Ein durchschnittliches Moor in Österreich speichert allein in den oberen 50 Zentimetern Boden rund 150 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar [9]. Moore wachsen etwa 1 mm pro Jahr.

Die größten Torfmoore Vorarlbergs liegen im Rheintal, diese werden zu 90 % intensiv genutzt (Ackerbau oder 3-bis-mehrschnittiges Grünland). Die Ackernutzung von Mooren setzt bis zu 45 Tonnen CO2-Äquivalente pro  Hektar und Jahr frei, Grünlandnutzung auf Niedermoorböden ca. 14-24 Tonnen (Höper 2007[1]). Ackernutzung von Mooren führt zudem zu Belastungen der Umwelt, da neben der Freisetzung klimawirksamer Gase auch Nährstoffausträge stattfinden. Bei Ackernutzung wurden Auswaschungen von 50 kg Stickstoff pro ha und Jahr gemessen, bei Grünlandnutzung dagegen waren es 19 kg pro ha und Jahr (Scheffer 1994[2]). Ausgenommen ist die Biomasseproduktion wie Rohrkolben, Torfmoose usw.

Während weitgehend intakte Moore in Österreich einen umfassenden Schutz genießen und dadurch seit 1990 kaum an Fläche verloren haben (Umweltbundesamt 2016), bestehen für die Torfkörper, die unter Nutzung stehen, weder detailliertere Erhebungen noch Zielvorgaben bzw. entsprechende Strategien [10]. Die Sicherung bestehender Moore und Torfböden sowie die Renaturierung gestörter Moore und Torfböden sind höchst klimarelevante Maßnahmen, die zwar den Zeithorizont von 2030 übersteigen, jedoch jetzt in Angriff genommen werden müssen [11]. Vorarlberg verfügt über 6.000 ha Moorfläche (Österreichische Bodenkarte: [12]) und Land Vorarlberg). Die Einstellung des Grundwasserspiegels bis zur Geländekante bzw. bis 10-20 cm darunter, erlaubt eine landwirtschaftliche Nutzung ohne Entwässerung von speziellen nässeliebenden Kulturen wie Torfmoose, Erlen, Schilf, Rohrkolben (Paluikulturen) [13], [14]. Jeder Hektar renaturiertes Moor entzieht der Atmosphäre jährlich etwa 10 t CO2 [15]; gleichzeitig wird die Freisetzung von CO2 und Stickstoff unterbunden (Effekt siehe vorheriger Absatz). Kann eine Fläche von 3000 ha renaturiert werden, ist gesamthaft ein Effekt von rund 110.000 Tonnen CO2/a zu erzielen (0,28 to/pax.a).


[1] Höper H. (2007): Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren, Telma 37: 85-116

[2] Scheffer B. (1994): Stickstoffumsetzungen in Niedermoorböden. NNA Berichte 7 (2): 67-73

Maßnahmen

Gesetzliche Sicherung bestehender Moore und Torfböden (N1.3.1)

Moore und Torfböden werden durch den Verzicht auf Entwässerung und Abtorfung sowie durch die Sicherstellung der Wasserversorgung im Moor selbst und in dessen Umfeld erhalten. Eine über die Eingriffssicherung hinausgehende Vorgabe ist notwendig – rechtliche Vorgaben sind auf Klimarelevanz zu überprüfen.

Akteure Vertreter*innen aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz, Bodenkunde / Geologie
Messgröße Gesetz für Naturschutz- und Landschaftsentwicklung, Schutzgebietsverordnung, andere Rechtsmaterien
Zielwert Sicherung aller Moore und Torfböden
Monitoring Umsetzung rechtliche Sicherung

Renaturierung von Mooren und Torfböden (N1.3.2)

Die Renaturierung von Mooren und Torfböden erfordert die Wiederherstellung eines guten hydrologischen Zustandes sowie die Schaffung einer Pufferzone, um Nährstoffeinträge abzuwenden. Unter Einbindung des funktionalen Umfeldes ist der Wasserstand in Mooren anzuheben, indem Entwässerungsgräben geschlossen, bzw. mit variablen Wehren versehen und Entwässerungssysteme aus der Nutzung genommen werden. Dies muss je nach Moortyp, Grabengröße, Geländeneigung etc. unterschiedlich umgesetzt werden. Anzustreben ist die landwirtschaftliche Nutzung von Paludikulturen (Lancierung von Pilotprojekten).

Akteure können Gemeinden, NGOs, Vereine, Naturparks, aber auch Privatpersonen oder das Land (VertreterInnen aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz, Bodenkunde / Geologie) sein
Messgröße Zuwachs in der Höhe des Wasserstandes, Pufferzone
Zielwert Grundwasserstand von 10-20 cm unter Flur, Pufferzone (Ausmaß von lokalen Gegebenheiten (hydrologischer Einzugsbereich) abhängig)
Monitoring Fläche renaturierter Moore und Torfböden

Finanzierungssicherung von Wiedervernässungsprojekten (N1.3.3)

Jegliche Wiedervernässungsprojekte müssen gut geplant sein, um einen Erfolg zu garantieren. Angesichts der hohen Kosten für die Wiedervernässung von kleineren Mooren soll die Möglichkeit der Kofinanzierung aus EU-Töpfen genutzt werden (die Entschädigung für Bewirtschafter*innen muss über eine andere Schiene erfolgen (z.B. ÖPUL). Beginn über Paludikultur-Pilotprojekte mit Landwirten

Kernteam Expert*innen (Vertreter*innen aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz, Bodenkunde / Geologie) übernimmt die Koordination hinsichtlich Antragsstellung etc.
Messgröße Finanzmittel von Wiedervernässungsprojekten
Zielwert 3 Mio € jährlich für Moore (mit Moorvegetation), 3 Mio € jährlich für Torfböden
Monitoring Abfrage

Bewusstseinsbildung und Aufbau von Expertenwissen (N1.3.4)

Grundvoraussetzung und Nadelöhr für die Umsetzung von Wiedervernässungsprojekten ist die Zustimmung der GrundeigentümerInnen und BewirtschafterInnen. Das ist in einem kleinparzellierten Land nicht einfach – die Bedeutung der Moore für den Klimawandel muss gut kommuniziert werden, um Grundeigentümer, Bewirtschafter und Gemeinden ins Boot zu holen. Bewusstseinsbildung muss auf allen Ebenen ansetzen: von regionalen Veranstaltungen bis zu zielgruppen- und gemeindespezifischen Workshops (Erhaltung, Bewirtschaftung, Wiederherstellung) und einem Modul für Schulen (z.B. Vielfalterschulen)

Akteure Kernteam (eventuell dasselbe von Maßnahme 3)
Messgröße Anzahl von Bildungsveranstaltungen, Modul für Schulen
Zielwert 10-15 Veranstaltungen pro Jahr, 1 Modul für Schulen
Monitoring Abfrage

Auswirkungen der Umsetzung

...auf die Ökonomie

In einer Publikation des Greifswald Moor Centrum [16] werden für Wiedervernässungsprojekte typische CO2-Vermeidungskosten von 20 bis 80 €/Tonnen angegeben. Vgl. auch Klimaschutz durch Wiedervernässung von kohlenstoffreichen Böden [17]. Für die Modellierung wurde der Mittelwert (50 €/Tonne) gewählt.

...auf den Arbeitsmarkt

in Arbeit

Sonstige Auswirkungen

Co-Benefits

Reduktion externalisierter Kosten, Gesundheit, Lebensqualität, Versorgungssicherheit, Sozialkapital,...

Nachteilhafte Nebenwirkungen

Partizipation

Wie müssen die betroffenen Akteure miteinbezogen werden?

Umsetzergruppe

Interessensvertretungen, Netzwerke

Technologie- und Lösungsanbieter

Unabhängige FachexpertInnen

Allgemeine Anmerkungen

Zusätzliche Links und Literatur:

  • Deutschland will in den nächsten zehn Jahren 48 Millionen Euro in vier Pilotprojekte zum Moorschutz mit Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorböden stecken [18].
  • Win-win-Situation: Landwirtschaft auf renaturierten Moorflächen [19]
  • Hirschelmann et al. (2020): Fact collection - "Moore in Mecklenburg-Vorpommern im Kontext nationaler und internationaler Klimaschutzziele – Zustand und Entwicklungspotenzial" [20]
  • Natural Climate Protection Action Programme: [21] (29.03.22) with key point paper [22]
  • National Peatland Protection Strategy, German Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Nuclear Safety and Consumer Protection (BMUV: [23]
  • Paludi-PRIMA project: [24]
  • toMOORow initiative [25] der Umweltstiftung Michael Otto [26] und Michael Succow Stiftung [27]
  • Sheep breeds in Germany: Peatland and Heath, Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. [28]
  • ROKO Farming: Vertical Farming zur kontinuierlichen Produktion weiterentwickelt. [29]
  • MOOSzucht project of the Universities of Greifswald and Freiburg as well as the Karlsruhe Institute of Technology. [30]